10 201 Bln

 

 

Entwicklung:

Im Jahr 1934 begann für die Deutsche Reichsbahn ein neues Kapitel in der mittlerweile nicht mehr ganz so jungen Geschichte der Gesellschaft. Nachdem die Reisetätigkeit der Reichsregierung spürbar anstieg und die mittlerweile recht alten Salonwagen aus der Länderbahnzeit (der überwiegende Teil stammte noch aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg) hinsichtlich Ausstattung und Komfort nicht mehr zeitgemäß waren, sah sich die Reichsbahn gezwungen, neue Salonwagen zu beschaffen und bestellte daraufhin bei den beiden Kasseler Waggonfabriken Wegmann & Co. und Gebrüder Credé jeweils eines dieser speziellen Fahrzeuge. Es sollte erst der Anfang einer ganzen Reihe von Bestellungen dieser Art sein.
Wegmann & Co. gebührte die Ehre, den ersten Salonwagen mit der Nummer 10 201 Bln auf die Gleise stellen zu dürfen. Anders als es seine Gattung vermuten ließe, wurde der Wagen tatsächlich bereits im Jahr 1934 an die Reichsbahn übergeben. Äußerlich entsprach er dabei den als „Bauart 35“ bezeichneten neuen Schnellzugwagen jener Tage und war mit ungeschultem Auge erst auf den zweiten Blick von diesen zu unterscheiden, denn selbst die Lackierung wich in keinem Detail vom damaligen Farbschema für Reisezugwagen ab (Wagenkasten: Braungrün, Dach: Graualuminium, Untergestell: Schwarz). Am ehesten fiel der Sonder- status wahrscheinlich durch die unregelmäßige Fensteranordnung auf.

Verwendung / Umbauten:

Das Fahrzeug war bis 1945 überwiegend in Berlin – Grunewald stationiert und wurde überwiegend im Einzeldienst für Angehörige der Regierung, aber ebenso für ausländische Diplomaten, eingesetzt.

Ab 1945  wurde der Wagen von der amerikanischen Besatzungsmacht, insbesondere General Mc Cloy, genutzt, bevor er im Sommer 1952 an die Deutsche Bundesbahn übergeben wurde. Diese setzte ihn von Frankfurt/ Main – Süd aus bei Besuchen ausländischer Gäste, u.a. des indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru und des Schah von Persien, aber auch für In – und Auslandsreisen der bundesdeutschen Regierung ein, hier sei nur beispielhaft die gemeinsame Italienreise des Bundespräsidenten Dr. Theodor Heuss und des Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer im November 1957 genannt.

Am häufigsten wurde er von Bundeswirtschaftsminister Dr. Ludwig Erhard auf Wahlkampfreisen genutzt, später aber gegen einen Wagen mit Bad getauscht.

Von 1962 bis 1984 wurde er noch in untergeordneten Diensten ( überwiegend in Saarbrücken )  eingesetzt, danach an den Eisenbahnkurier –Verlag nach Freiburg / Brsg. verkauft, welcher aber die geplante Restaurierung nie realisierte.

Nunmehr befindet sich das Fahrzeug im Eigentum des Vereins H.E.B. – 41 073 e.V.

Der 10 201 wurde 1936, 1939, 1943, 1963 und zuletzt 1985 umgebaut.

 

Herstellerwerk: Wegmann & Co., Kassel
Baujahr: 1934
Beschafft auf Vertrag: 03.966 / 26.359
Eigengewicht (bei Lieferung): 47,0 t
Eigengewicht (nach Umbau 1939): 56,0 t
Länge über Puffer: 23.076 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen): 21.776 mm
Drehzapfenabstand: 16.180 mm
Größte Breite des Wagenkastens: 2.880 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante: 3.933 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante: 1.240 mm
Drehgestellbauart (vor Drehgestelltausch 1943): Görlitz III schwer
Drehgestellbauart (nach Drehgestelltausch 1943): Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand: 3.600 mm
Generatorbauart (vor Drehgestelltausch 1943): Generator mit Kettenradantrieb Dps
Generatorbauart (nach Drehgestelltausch 1943): Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart: Kksbr, Hnbr, Avsbr 02 (Hardybr)
Heizungsbauart: Whzde, Ofen
Beleuchtung: Elektrisch
Schlußsignalhalter (vor Umbau 1939): Angesetzt
Schlußsignalhalter (nach Umbau 1939): In Dachnischen verlegt
Dachlüfter: Einfache Wendlerlüfter 16 Stück
Abteile:
Vorsalon 1x
Salon 1x
Schlafräume einbettig 2x
Mittelabort 1x
Schlafräume zweibettig 3x
Wagenbegleiterraum 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x

Weitere Informationen zu Salonwagen der Deutschen Reichsbahn finden sie unter www.drg-salonwagen.eu .